Das nachfolgende
Interview wurde zum Abdruck von Herrn Jörn Zweibrock mit
freundlicher Genehmigung freigegeben
Das Interview erschien am 26.10.2010 im Syker
Kurier ohne die zwei Fotos
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Asphaltrosen in heiligen Hallen
Wolf
Maahn
stellt sein aktuelles Album „Vereinigte
Staaten“ am 6. November
im Syker Theater vor |
Deutschrock, ein
bisschen Reggae, etwas funkig angehaucht und
alles herrlich schön vernuschelt. Das ist
Wolf
Maahn.
Einer, der sich einmischt und kein Blatt vor den
Mund nimmt. Am Sonnabend, 6. November, spielt er
mit seiner Band um 20 Uhr im Syker Theater und
stellt dem Publikum seinen neuesten Silberling
„Vereinigte Staaten“ vor. Im Interview mit Jörn
Dirk Zweibrock spricht der Künstler über
Sparkassen, Schlittenhunde und Seifenopern.
Frage: Herr
Maahn,
Sie sind ein Deutschrocker von mittlerweile 55
Jahren. Wie sieht es da mit Sex, Drugs und
Rock’n’Roll aus?
Wolf
Maahn:
Ich feiere jeden Abend ausgiebige Orgien, habe
Frauen über Deutschland verstreut und rauche
gleichzeitig zwei Joints. Hahaha, nee, das ist
vielleicht etwas ungewöhnlich in diesem
Business, aber ich bin schon seit 24 Jahren
verheiratet. Meine Frau Angelika ist auch
Künstlerin. Sie kümmert sich um mein Management
und macht bei meinen Konzerten das Licht.
Können Sie sich
an Ihren vergangenen Auftritt in Syke noch
erinnern? Der war 2006.
Daran
kann ich mich noch genau erinnern. An die
besondere Atmosphäre in der Syker
Kreissparkasse. Die war erst gewöhnungsbedürftig
für mich. Denn trotz Soloprogramm war es ja ein
Rockkonzert. Aber mir ist es schnell gelungen,
mich vom Geist, der in den heiligen Hallen des
Kapitals weht, zu befreien. Schnell habe ich den
Draht zum Publikum bekommen. Es war einfach
schön. Jetzt freue ich mich auf mein Konzert mit
Band am 6. November in Syke. Ich singe, greife
zur Akustikgitarre. Es wird leise, laut – von
allem was, eben die ganze Bandbreite. Ein
Rockkonzert, wie ich es jetzt schon seit 25
Jahren mache. Ich mag dieses Kribbeln, was ich
dabei verspüre. Das ist ein ganz besonderes
Gefühl, was ich nicht beschreiben kann.
Syke liegt ja in
umzu. Sie haben aber auch einen ganz besonderen
Bezug zu Bremen, oder?
Ja. Meine
allererste Freundin ist in Bremen geboren. Bei
Konzerten in Bremen habe ich früher immer in WGs
geschlafen. Daher weiß ich, wie die Bremer
ticken. Sie haben so eine distanzierte
Herzlichkeit. In Köln wird viel Nice Talk
praktiziert. Die Bremer dagegen sind nüchtern
und verlässlich. Wenn man einmal ihr Vertrauen
gewonnen hat, hat man es immer. Außerdem bin ich
erklärter Werder-Fan. Trotz knappen Budgets
haben sie in dieser Turbo-Bundesliga viel
erreicht. Und wenn bei denen mal Flaute
herrscht, wird nicht gleich die halbe Mannschaft
entlassen. Werder hat sich viel Anstand bewahrt.
In dieser komplizierten Welt stimmt bei denen
einfach der Geist.
Lassen Sie uns
ein Wortspiel mit Ihren alten Hits machen. Was
geht Ihnen „Direkt ins Blut“?
Stevie Wonder.
Der berührt mich einfach.
Wer ist Ihre
„Rose im Asphalt“?
Wir fügen uns
jeden Tag neue kleine Wunden zu. Die Rose im
Asphalt kann schon das Lächeln einer
Bäckereiverkäuferin sein.
Wann bekommen Sie
das alte „Fieber“ wieder zurück?
Fieber ist die
Lebensfreude, die ich bei jedem meiner Konzerte
verspüre.
Wie halten Sie
Maahnwache?
Wenn ich mich
nicht vom System vereinnahmen oder verrückt
machen lasse, manche Dinge in Frage stelle.
Sie haben mal
gesagt, die Beatles seien für Sie „unantastbar“.
Warum?
Der Appeal ihrer
Songs ist absolut zwingend.
Auf dem Cover
Ihrer neuen CD „Vereinigte Staaten“, die sie in
Syke präsentieren, sind zwei Schlittenhunde
abgebildet. Warum?
Die hat meine
Frau Angelika fotografiert. Wir haben unseren
Sohn während seines Auslandssemesters auf
Spitzbergen besucht. Das war ein beeindruckendes
Erlebnis. 24 Stunden am Tag hat dort die Sonne
geschienen. Und Schlittenhunde, das sind sehr
treue Tiere. Treu zu dem, den sie ziehen. Meine
hatten zwar dauernd Streit um den Laufrhythmus,
aber mussten sich irgendwie einigen, ihre
Gegensätze zu überwinden. Das ist ein großes
Thema – auf persönlicher und auch auf
politischer Ebene.
Damals haben Sie
sich in Nordrhein-Westfalen für Wolfgang Clement
engagiert, für ihn das Lied „Volle Kraft voraus“
gesungen. Jetzt ist Hannelore Kraft
Ministerpräsidentin. Engagieren Sie sich auch
weiterhin politisch?
Wohl nicht auf
diese Art. Es ist ernüchternd, zu dicht an einer
Partei zu sein. Das ist nicht mein Pflaster. Ich
engagiere mich jetzt im täglichen Leben,
unterstütze diverse Organisationen, spare
Energie und sage in Interviews oder auf Portalen
wie Facebook meine Meinung.
Sagen Sie ein
paar Worte zu Ihrem neuen Album?
„Vereinigte
Staaten“ atmet den Geist des Rock’n’Rolls. Es
wurde live eingespielt und lebt vom
Zusammenspiel aller. Etwas, was lange gereift
ist. Momentan ist „Flucht nach vorn“ mein
Lieblingsstück. Das wechselt aber immer täglich.
In der Seifenoper
„Unter Uns“ haben Sie Ihre neue CD vorgestellt.
Ungewöhnlicher Ort, oder?
Ab
übermorgen laufen wieder fünf Folgen mit mir am
Stück. Insgesamt sind es 16. Die werden bis
Mitte Januar ausgestrahlt. In der Redaktion
sitzen viele Musikliebhaber. Es hat mich
gefreut, dass ich die Chance bekommen habe, zu
schauspielern und meine Musik zu präsentieren.
Wo gibt es denn heute noch Fernsehshows wie
„Geld oder Liebe“, in denen Bands ihre Musik
vorstellen können? Neulich war ich in Lissabon,
da habe ich fünf Shows an einem Tag gemacht. Das
wäre in Deutschland undenkbar. Die Sender wollen
keine Musik mehr.
Wolf
Maahn
ist ein Multitalent. In der Rockoper haben Sie
Friedrich Schiller gespielt, die Filmmusik für
einen Schimanski geschrieben. Gibt es in Zukunft
ähnliche Projekte?
Wenn ich
angefragt werde und Luft habe, vielleicht.
Kürzlich haben
Sie sich von Ihrer langjährigen Plattenfirma
getrennt. Ein Stück neue Freiheit?
Ja. Schon eine
große Freiheit, komplett selbst entscheiden zu
können, was ich rausbringe und was nicht.
Wer sind heute
Ihre Fans? Die Gleichen wie in den 80ern, als
Sie Ihre größten musikalischen Erfolge gefeiert
haben?
Das geht
querbeet. Ich habe nicht nur Fans in den
mittleren Jahren. Es gibt die aus den 80ern, die
aus den 90ern und die von heute. Oder Eltern
kommen mit ihren Kindern, die mich gerade für
sich entdeckt haben. Das ist wie eine große
Familie.
Ist Ihr Bruder
eigentlich noch immer Bassist bei Gianna
Nannini?
Ist er. |